Geheimtipp?
Ist das Wort »Geheimtipp« nicht ein Widerspruch
Kein Geheimnis: Wenn ich einen Tipp öffentlich weitergebe, dann ist er nicht mehr geheim.
Zu viele (ehemalige) Geheimnisse werden und wurden ausgeplaudert.
Als Beispiel muss der Kesselberg herhalten. Ihm kann man nicht helfen. Konnte man nie!
Zu groß der Bekanntheitsgrad. Zu historisch, zu heldenhaft, zu schön, viel zu schön!
Zu kurvig, viel zu kurvig, zu süchtig machend die Kurven. Das war schon immer so.
Bereits vor über 100 Jahren fanden dort Bergrennen statt. Die Strecke zieht Motorradfahrer an. Das Beispiel einer Definition, nein der Definition des Begriffs »Logik«.
Von nix kommt nix. Von was kommt was. Aber sowas von!
Kesselberg (Bayern) – Wikipedia
Egal!
Es gibt aber auch Gegenden und Stecken die vor 40 Jahren wenig bekannt, noch geheim waren. Die erst bekannt wurden. Durch Geheimtippausplauderer. Die, das muss man ihnen schon eingestehen, es nicht böse gemeint haben. Man war stolz auf das Entdeckte. Freute sich, wenn im neuen Shell-Atlas die Straße grün eingezeichnet war. Alte Säcke wissen noch, was das war: Grüne Straßen.
Ich möchte die St 2060 in Bayern, übergehend in die L 255 in Tirol, nennen:
Diese märchenhaftschöne Straße zwischen Schloss Linderhof und Reuthe. Vorbei am See der Seen, dem Plansee. So märchenhaft, so märchenhaft schön, dass man an Märchen glauben möchte, nein muss! Weil es sie gibt!
Wer es nicht glaubt, der mache sich bitte auf den Weg.
Ich darf das hier schreiben, weil es kein Geheimtipp mehr ist. Geheim eh nicht, nicht mehr. Ein Tipp, also eine Empfehlung, ja. Aber nur dann, wenn man sich unter der Woche, jenseits der Ferienzeit, im Märchenwald bewegt.
Warum schreibe ich das?
Ich möchte keine geheimen Tipps zur schönen, märchenhaftschönen Fränkischen Schweiz geben. Es gibt dort Strecken und Gegenden, die sind so unbeschreiblich schön, so märchenhaft, so brüdergrimmig, dass ich es nicht kann. Das Beschreiben.
Und nicht mag.
Das Weitergeben der Tipps.
Ich kann nur Fahren. Immer und immer wieder entdecken. Suchtstillend Verborgenes, Neues finden.
Das geheim Entdeckte geheim halten. Geheim halten vor den Nur-Sturr-Nachfahrenden. Den gpx-Dateien aufs Navi Übertragenden.
Ich kenne Gasthäuser mit Gärten, dort kostet ein (alkoholfreies) Bier nur 2 €.
Keine Touristen. Außer mir.
Käsespätzle gibt es. Zum Niederknien. Wurstsalat. Portionen so groß, Dirty Harry würde eine Kinderportion bestellen. Und dann trotzdem nachbestellen. Weil so lecker! Und so schwäbisch günstig.
Strecken: Du steigst nach spätestens 30 Minuten vom Motorrad und bist glücklich. Wissend und dir eingestehend: Ich bin süchtig! Nicht therapiebar.
Diese Heimlichkeiten, Gasthäuser und Strecken darf man nicht empfehlen! Man muss sie finden! Ohne zu suchen. Sich beim Après-Bier daheim ärgern, dass man sein Navi nicht auf »Aufnahme« gestellt hat. Man findet sie nie wieder.
Egal.
Drei Wochen später:
Rauf auf das Mototorrad. Sucht befriedigen! Etwas Neues suchen. Zufällig das Alte, wider Erwarten wieder finden. Sich freuen!
Jürgen